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17. Juni 2014 11:21

Abschlusstagung des SFB 804 am 16./17. Mai 2014

von Katja Schröder in Veranstaltungen, Aktuelles
Tagungsbericht und Impressionen

Unter das Thema „Geisteswissenschaften und Gesellschaft: Rolle, Bedeutung und Perspektiven der Grundlagenforschung“ stellte der Dresdner Sonderforschungsbereichs 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“ (SFB 804), der zum 30. Juni seine Arbeit beendet, seine letzte wissenschaftliche Tagung.

Seit 2009 untersuchten die knapp 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB 804, welche Voraussetzungen, Bedingungen und Ressourcen für die Konstituierung und Stabilität von sozialen und politischen Ordnungen notwendig sind. Zusammen mit dem vorherigen SFB 537 „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ kann somit auf 18 Jahre geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Verbund- und Grundlagenforschung in Dresden zurückgeblickt werden. Am 16. und 17. Mai wurde daher ein Resümee zur bisherigen Forschung gezogen. Etwa 120 Gäste folgten der Einladung und diskutierten in den zwei Tagen über den Dresdner Ansatz. Welchen Einfluss hatte er auf die Forschungslandschaft, welche Impulse hat es gegeben und was sind die zukünftigen Perspektiven dieser Forschung?

Anstelle eines „Werkstattberichts“ ging es jedoch vorrangig auch um wissenschaftspolitische Fragen: Was ist die besondere Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften, speziell auch ihrer Grundlagenforschung? Brauchen die anderen Wissenschaftsdisziplinen die Geisteswissenschaften eigentlich?

Nach der Eröffnung der Tagung durch den Sprecher des SFB 804, Hans Vorländer, und den Rektor der TUD, Hans Müller-Steinhagen, stellte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Peter Strohschneider, in einer Keynote seine Thesen zum Thema „Geisteswissenschaften und Gesellschaft“ vor. Der Germanist, der früher selbst in Dresden lehrte und im SFB 537 ein eigenes Teilprojekt leitete, widersprach er der These, Geisteswissenschaften seien vorrangig dazu da, Probleme zu kompensieren, die aus dem immer schneller werdenden technischen Fortschritt resultieren. Die Frage, wer eigentlich Wissen autorisiert und als Standard etabliert, sei die zentrale Frage, die alle Wissenschaftsdisziplinen betreffe.

 

Auf dem anschließenden Podium diskutierten neben Geistes- und Sozialwissenschaftlern – dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf und dem Soziologen Heinz Bude – auch Naturwissenschaftler – dem Neurologen Hans-Jochen Heinze – und Ingenieurwissenschaftler – hier explizit nicht in seiner Rolle als Rektor: der Maschinenbauer Hans Müller-Steinhagen – mit Strohschneider die Frage nach der Rolle der Geisteswissenschaften im Konzert der Wissenschaftskulturen.

Dass geisteswissenschaftliche Forschung für alle Wissenschaftsbereiche wichtig sei, war man sich einig, schließlich würden „überall dieselben, alten Fragen gestellt“ – bei der Erforschung von Hirnströmen und beim Bau von Computern wie auch in der Theologie und Philosophie, erläuterte Heinze am Beispiel der Debatte „mind vs. brain". „Mehr Selbstbewusstsein“ sollten laut Müller-Steinhagen die Geisteswissenschaften daher zeigen und aktiv die Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen in konkreten Projekten suchen.

Der zweite Tag widmete sich mit den Keynotes des Soziologen Karl-Siegbert Rehberg und des Theologen Klaus Tanner unter dem Thema „Historische Vergleichsforschung in systematischer Absicht. Ertrag und Perspektiven des institutionanalytischen Dresdner Ansatzes“  speziell der Dresdner Verbundforschung. Die Verbindung von historisch-vergleichender und empirisch-systematischer Forschung, die nicht selbstverständlich ist, wurde hier in gewinnbringender Form institutionalisiert.

Das Podium der anschließenden Diskussion war mit Professorinnen und Professoren besetzt, die früher selbst als Mitarbeiter/-innen im SFB 537 beschäftigt waren und nun außerhalb Dresdens etabliert sind. Der Frage, was sie „aus Dresden mitgenommen“ haben, stellten sich der Politikwissenschaftler André Brodocz, der Kunsthistoriker Markus Dauss, die Germanistin Beate Kellner und die Historikerinnen Susanne Rau und Annette Kehnel, unter dem Thema „Impulse und Perspektiven der Dresdner Grundlagenforschung“.

Der interdisziplinäre, bereichernde Austausch und die reichhaltigen Möglichkeiten, die die DFG-Förderung im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs bietet, wurden sehr positiv bewertet. Allerdings warf auch diese Diskussion aktuelle, wissenschaftspolitisch relevante, Fragen auf: Wie können Nachwuchswissenschaftler/-innen, die interdisziplinär arbeiten, sinnvoll unterstützt werden? Da die klassische akademische Karriere – zumindest in den angesprochenen Fächern – weiterhin ein starkes Profil innerhalb der eigenen Fachdisziplin verlangt, kann Interdisziplinarität, v.a. im Rahmen der Dissertation oder Habilitation, auch karrierehemmend wirken. Die durch interdisziplinäres Arbeiten trainierte „Übersetzungsleistung“ ist jedoch auch außerhalb der Universität eine gefragte Sozialkompetenz. Nachwuchsförderung könnte also auch darin bestehen, junge Wissenschaftler/-innen zu ermutigen, nach der Promotion die Universität zu verlassen, ohne dies als Scheitern oder Versagen begreifen zu müssen.


 

 

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Katja Schröder M.A.

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